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Krautheimer Werkstattbeschäftigte auf Reisen

Krautheimer Werkstattbeschäftigte auf Reisen -  Kiel 2015


Das Motto dieser Freizeit könnte lauten: „Geht nicht, gibt’s nicht! 20 Landratten machten sich auf, das große weite Meer zu suchen. Wir wussten nur, es lag Richtung Nord-Ost. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir unseren Ferienhof Lamp in Wendtdorf. (20 km von Kiel)

Wir hatten noch keine Ahnung, wie ereignisreich diese Woche werden würde.


SO:

Noch am gleichen Abend machten sich einige, trotz kühlen Temperaturen (13 Grad), grauem Himmel und Wind in den Haaren auf, um das Meer zu finden. Nach 1,5 km lag die Ostsee vor uns.


MO:

Gegen 11 Uhr trafen wir uns mit Björn, einem echten Kieler Jung. Er zeigte uns verschiedene Stationen seiner Stadt. Den Hafen mit seiner Werft, wo gerade eine kostspielige Jacht für einen reichen Schnösel gebaut wurde. Die Fähren fahren entweder nach Norwegen oder Schweden. Dann ging es kreuz und quer durch die Stadt, vorbei am Schloss, bis hin zur Altstadt. Dabei erzählte Geschichten von damals und heute. Zwei Std. später stürzten ins Getümmel von Kiel.


DI:

Am Dienstag ging es erneut Richtung Kieler-Hafen. Es wartete Highlight Nr. 1 auf uns. Wir bekamen eine one way Gast-Card für die Besichtigung der Color Magic, einer Kreuzfahrfähre.

Sie fährt im Wechsel mit dem Schwesternschiff Color Fantasy von Kiel nach Oslo und umgekehrt, also gilt norwegisches Recht, sobald man an Bord ist. Eine Überfahrt dauert ca. 20 Std. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Ein Hauch von Luxus umgab uns. Alles war vom Feinsten. Marmorböden und –Säulen, hohe Decken, Spiegel, Kronleuchter, Glasaufzüge, die in den 15. Stock fuhren. Bars und Restaurants waren mit Teppichböden ausgelegt. Das Ganze hat natürlich auch seinen Preis. In der Nebensaison kostet eine Innenkabine ohne Fenster und Verpflegung ca. 80 Euro. Ein McDonald Menü kostet z. B. 13 Euro.


MI:

Mittwoch ging es zur Marine, was nicht so leicht ist, da die Sicherheitsbestimmungen sehr hoch sind, und wir waren die 1.Rolligruppe. (Zur Biggis Enttäuschung waren keine Männer mit knackigen Popos zu sehen.) Im Gegenteil, wir bekamen von einem Kapitän-Leutnant einen 2 ½ stündigen Vortrag über die Einsatzgebiete und Aufgaben der Marine zu hören, der etwas trocken und zum Teil langatmig war.  Zum Wiederaufwachen machten wir einen Kurzmarsch zum Marine-Kai, und Wow, da lag sie: Die legendäre Goch Fock! (Besonders Anita freute sich sehr, diesem berühmten Schiff mal ganz nahe zu sein. Doch als sie entdeckte, dass das vermeintliche Holzschiff, ganz aus Metall ist, war ihre Enttäuschung groß.) Hier ein paar Eckdaten zur Gorch Fock: Gebaut wurde sie 1958, und unterstand nach der Indienststellung zunächst dem Kommando der Schulschiffe. Nach dessen Auflösung wurde es 1966 der Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik unterstellt. Der Heimathafen ist Kiel. (Quelle Wikipedia) Wir trafen zum Schluss noch eine Kommandantin eines Mienensuchschiffes, die uns voller Stolz von ihrer Tätigkeit erzählte. Den  Kopf voller Informationen und Eindrücken machten wir uns auf den Heimweg.


DO:

Frisch gestärkt und ausgeruht ging es am Donnerstag zum Ehrendenkmal der Marine in Laboe. Dies besteht aus mehreren Stationen. U. a. einem U-Boot, welches man auch innen besichtigen konnte,

einem kleinen Rundell mit verschiedenem Kriegsmaterial, z. B. einer Unterwassermiene, die Schiffsschraube von Prinz Eugen, einem schweren Seekreuzer. Sie war so riesig, dass man sich wie Winzlinge vorkam. An den Infotafeln konnte man nachlesen, was sonst noch ausgestellt wurde. Eine weitere Station war der alles überragende Turm, der laut dem Architekt, Gustav August Munzer, ein Bauwerk, mit der Erde und der See fest verwurzelt und gen Himmel steigend wie eine „Flamme“ darstellen soll. (Quelle Wikipedia) Im Inneren des Gebäudes war es durch die Flaggen, Gedenktafeln und den Namen der gefallen Marinesoldaten vom 1. und 2. Weltkrieg ziemlich bedrückend. Mit dem Aufzug konnte man die gen Himmel steigende „Flamme“, die für mich (Anita) mehr Ähnlichkeit mit einem U-Bootturm hatte, hochfahren. Es war ein kleines Abenteuer mit E-Rollstühlen auf die erste Aussichtsplattform zu kommen, die 72 Meter, mit Brüstung, 85 Meter hoch ist. Alle außer Biggi, die unten in der Sonne auf uns wartete, wollten die grandiose Aussicht genießen. Am Ausgang zur Plattform befand sich eine Stufe. Da war es wieder unser Motto, geht nicht, gibt’s nicht. Thorsten und Alex packten beherzt an und ich Anita gab behutsam Gas und schwupp di wupp war ich draußen. So geschah es bei jedem Rolli. Die nächste Herausforderung für unsere Begleiter war, uns über die Brüstung schauen zu lassen. Lilli und Alex schnappten mich Anita unterm Arm und da stand ich. Da lag es vor mir, das Meer mit seinen verschiedenen Blautönen und das Land mit seinen Erdtönen. So muss sich ein Vogel fühlen, unendlich frei. Für einen Moment war ich ganz weit weg.


Während die Anderen noch ins angrenzende Museum gingen, wollte ich, Anita, einfach mal alleine sein, um das gerade Erlebte noch mal nachzuspüren. Am liebsten wäre ich, Biggi, bei ihr geblieben. Ich hatte die Schnauze von den ganzen Kriegsschauplätzen, gefallen Soldaten, die für „unser  Vaterland“ gestorben sind etc.


In einem kleinen Bistro an der Strandpromenade ließen wir es uns kulinarisch gutgehen. Es war ein Bilderbuch Tag, blauer Himmel, wärmende Sonne, und das Meer. Also zog es uns nach dem Essen alle an den Strand. Da war es wieder: Rollifahrer und Sand, das passt eigentlich gar nicht! Kein Steg weit und breit. Doch das war wieder mal für uns kein Hindernis, im Gegenteil, es ging quer Feld ein, bis ans Wasser. Außer mir, Biggi. Ich traute der Sache nicht ganz. Mit großer Anstrengung wurden nämlich insbesondere die E-Stühle von unseren Begleitern durch den tiefen, feinen Sand geschoben und gezogen. Das grüne Gras, etwas abseits, erschien mir sicherer. Hier wurde auch die Idee geboren, den nächsten Tag am Strand zu verbringen.

Weil der Abend so schön war, beschlossen einige von uns noch mal auf Achse ans Meer zu gehen. Anita beschrieb auf dem Turm, sie sei frei wie ein Vogel. Genauso erging es mir, Biggi, jetzt. Für einige Augenblicke war ich einfach unendlich frei und glücklich und jubelte in die Welt hinaus.


FR:

Unser Vorhaben wurde also in die Tat umgesetzt. Wieder ab nach Laboe. Wir zwei Weiber wollten einfach mal schoppen. Die Lieblingsbeschäftigung vieler Frauen. Also krallten wir uns Klaus, der sich als perfekter Shopping-Berater herausstellte. (und das als Mann.) Ohne Plan oder Ziel schlenderten wir die Strandpromenade entlang. Mal hierhin, mal dorthin. Auf einmal meinte Anita: „Ey, guck mal da, da kann man einen Strandrolli mieten und zwar kostenlos!“ Gesagt, getan, für einen Nachmittag gehörte dieser umgebaute Toilettenstuhl mit den enormen Gummireifen uns. Alle, die damit durch den Sand heizten, hatten riesigen Spaß mit dem Ding. Obwohl die Wassertemperatur nur 12 – 13 Grad betrug, sprangen einige ins kalte Nass. Allen voraus, Torsten und Alex. Die Stimmung war so ausgelassen, dass sich Strandbesucher nach uns umdrehten und die ganze Szenerie lächelnd beobachteten. Es ging sogar soweit, dass ein Besucher Kaffee und Kuchen für die ganze Mannschaft spendierte. „Ihr arbeitet ja wie Ochsen, aber ihr habt riesen Spaß“ Unter Anfeuerungen „Gib Gas, gib Gas, Biggi“ wurde sogar ich schreiend vor Freude von allen Vieren durch den Sand gezogen bzw. geschoben.


Abends:

Nachdem wir uns chic gemacht hatten, ging es wieder zurück nach Kiel zum Krimidinner. Doch durch die Innenstadt zu fahren war unmöglich, da ein Luxusdampfer auf den Namen „Mein Schiff Nr. 4“ getauft wurde und die hiesige Fußballmannschaft parallel ein Spiel hatte. Folglich mussten wir ein ganz schönes Stück zu Fuß zurücklegen bis zum Hotel, wo das besondere Dinner stattfinden sollte. Endlich angekommen, ging das Verwirrspiel aber noch weiter.

Niemand wusste genau, wohin, und der Aufzug war auch noch so verwinkelt, das max. 2 Rollstühle hineinpassten. Nach scheinbarem, endlosen Auf und ab, erreichten wir endlich den Saal. Sehr freundlich wurden wir mit einem Glas Sekt, gespritzt mit Erdbeersaft empfangen. Alles war vom Feinsten und sehr edel. Weiße, gestärkte Tischdecken, Stoffservierten, verschiedene Gläser sowie das passende Besteck zu jedem Gang usw.

Eine schottische Lady hatte uns (ihre Gäste) zum Dinner geladen. So begann das unterhaltsame Kriminalstück „Bei Verlobung Mord“, das im 19. Jahrhundert spielte, angelehnt an dem Stil von Miss Marple. Das Publikum wurde immer mal wieder miteinbezogen. Entweder als Arzt oder Pfarrer… Aufgelockert wurde das Ganze durch schottische Lieder, die wir gemeinsam sangen. In den Pausen wurde das Drei-Gänge-Menü serviert, wobei jeder Tisch seine Kellner hatte. Es war einfach phänomenal. Sowas erlebt man nicht alle Tage!


Todmüde fielen wir gegen 1 Uhr nachts ins Bett, schließlich ging es am nächsten Tag nach Hause. Nach 10 Stunden, die uns allen schier endlos erschienen, erreichten wir unser Ziel Krautheim.


Fazit: Bezogen auf unser Motto „Geht nicht, gibt´s nicht, dann haben wir zwei eins auf dieser Reise gelernt:  Wenn man versucht, sich auf Dinge einzulassen, die eigentlich unmöglich erscheinen, dann kann man gemeinsam Grenzen überwinden. Wir bedanken uns nochmal bei unseren „verrückten“ Begleitern. Ohne euch wäre das Abenteuer nicht möglich gewesen.


                                                           Anita + Biggi